Kein Thema für die Tonne!
Stinkt Strom aus Gülle? Wie viel Frittenfett braucht man, um ganz Deutschland mit Biosprit zu versorgen? Haben wir hier vielleicht das perfekte Perpetuum mobile, mit dem wir aus biologischen Abfällen neue Energie und neues Leben fördern? Ganz so einfach ist es nicht, aber auch nicht ganz so schwer.
Es werde Bio: von Biologie über Biojoghurt zu Bioenergie
Seit 2004 hat sich die Produktion von Biostrom versechsfacht - Tendenz stark steigend. Derzeit sind über 3.700 Biogasanlagen in Betrieb, die 1,5 % des deutschen Bedarfs an Strom und Wärme decken. Innerhalb der nächsten Jahre wird sich allerdings die Nutzung von Biomasse deutlich erhöhen. Schon jetzt werden zahlreiche neue Biogasanlagen in Betrieb genommen. 5 bis 15 % des Primärenergieverbrauchs in Deutschland könnten damit in Zukunft gedeckt werden.
Bitte Bio-Turbo einschalten
Ob Wärme-, Strom- oder Kraftstofferzeugung - kaum eine Energieform ist so vielseitig einsetzbar und flexibel. Biomasse muss nicht im festen Zustand vorliegen, um als Energieträger genutzt werden zu können. Es gibt auch Flüssigbrennstoffe wie Biodiesel oder Rapsöl. Mit Hilfe von Bakterien, den sogenannten Mikroben, lässt sich sogar Biogas herstellen: In einem luftdichten Behälter werden Gülle, Mist oder Pflanzenabfälle von Bakterien zersetzt. Durch das Vergären entsteht unter anderem Methan. Methan kann wie Erdgas verwendet werden und ist noch dazu umweltfreundlicher; allerdings ist sein Energiegehalt geringer.
Große Kraftwerkswunder ...
Bioheizkraftwerke und Biogasanlagen arbeiten sehr effizient. Während in einem herkömmlichen Kohlekraftwerk der Wirkungsgrad lediglich bei 40 % liegt, werden in Bioheizkraftwerken bis zu 90 % der Energie genutzt. Hier wird nicht nur Strom erzeugt, sondern auch Heizwärme für Wohnungen gewonnen. Experten sprechen von Kraft-Wärme-Kopplung: Die Wärme, die bei der Stromherstellung entsteht, geht nicht einfach verloren. Sie wird "abgekoppelt" und in das Nah- und Fernwärmenetz eingespeist.
... kleine Kraftwerkswunder ...
Es geht auch eine Nummer kleiner: Neben den großen Bioheizkraftwerken werden auch kleinere Anlagen betrieben - sogenannte Blockheizkraftwerke. Es gibt sogar Kraftwerke für Einfamilienhäuser, die Strom und Wärme für den Eigenbedarf produzieren. Bleibt doch mal etwas Strom übrig, wird er in das öffentliche Netz eingespeist. Das passiert allerdings eher selten. Bisher gilt die Stromerzeugung in Mini-Kraftwerken noch als unrentabel. Forscher arbeiten aber fieberhaft daran, das zu ändern. Vielleicht hat schon bald jeder Haushalt in Deutschland sein eigenes Mini-Kraftwerk.
... und das grüne Wunder von Jühnde
Fossile Energieträger wie Erdöl oder Erdgas werden immer knapper und teurer. Die niedersächsische Gemeinde Jühnde hat darauf reagiert und ihre Energieversorgung selbst in die Hand genommen. Das Besondere daran ist, dass die Dorfbewohner ihren Strom- und Wärmebedarf ausschließlich durch Bioenergie decken. In der kommunalen Biogasanlage kommen nur nachwachsende Rohstoffe wie Weizen, Mais, Restholz oder Gülle zum Einsatz. Dadurch können die Jühndener vollständig auf fossile Energieträger verzichten.
Mittlerweile hat das Modell "Bioenergiedorf" Schule gemacht: Viele weitere Kommunen sind dem Vorbild Jühndes gefolgt und produzieren ebenfalls umweltfreundlichen Biostrom. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Bioenergiedörfer noch weiter zunehmen wird. Denn die Preise für fossile Energieträger steigen unaufhaltsam weiter.
Die Erdölreserven schwinden immer mehr. Je höher der Ölpreis steigt, desto interessanter werden die Alternativen. Biokraftstoffe ersetzen in Deutschland heute schon über 6 % der Treibstoffe aus Erdöl. Ein Teil davon wird herkömmlichem Diesel beigemischt, der Rest wird in Reinform als Biosprit oder Pflanzenöl verbraucht. Der Anteil am Spritaufkommen soll in den nächsten Jahren noch weiter steigen und im Jahr 2020 europaweit insgesamt 10 % erreichen.