Der Erdgas-Schatzsucher

- Wüste, Meer und Steppe als Forschungslabor - Christian Heß, Geophysiker bei E.ON Ruhrgas Exploration und Produktion
Ob im Wüstensand von Nordafrika, in der stürmischen Nordsee vor der Küste Großbritanniens oder in der eisigen Weite Sibiriens: Die Suche nach Erdgas treibt den jungen Geophysiker Christian Heß um den Erdball. Extremsituationen sind für den 29-Jährigen Alltag: Aus Leidenschaft für seinen Job trotzt der E.ON-Mitarbeiter Hitze und Kälte, den besonderen Arbeitsumständen auf einer Bohrinsel im Meer sowie der Simulation eines Helikopterabsturzes.
Christian Heß ist Detektiv, Schatzsucher und Wissenschaftler zugleich. Seine Mission lautet: neue Erdgasquellen aufspüren und erschließen. Auch wenn der Wüstensand im algerischen Rhourde Yacoub außer Sandkörnern auf den ersten Blick nicht viel preisgibt: Die Aufgabe des Geophysikers besteht darin herauszufinden, ob nicht mehrere Tausend Meter unter der ockergelben Oberfläche große Erdgasvorräte schlummern könnten.
Im Interview erklärt uns Christian Heß, wie er Erdgas in der Wüste aufspürt.
Gibt es einen wegweisenden Moment, der deine Leidenschaft für Energie geweckt hat?
Meine Begeisterung für die Erde und das Wissen um ihre Rohstoffe wurde durch das Lesen von "Was ist was"-Büchern entfacht. Als Kind habe ich die Bände "Vulkane" und "Erdbeben" verschlungen. Ich fand und finde es nach wie vor wahnsinnig spannend, was für gewaltige, unberechenbare Kräfte im Erdinneren walten, wie wenig der Mensch sie kontrollieren kann - und wie sie den gesamten Planeten gestalten.
Was fasziniert dich an der Arbeit eines Geophysikers?
Die Möglichkeit, neue Erdgasquellen aufzuspüren. Im Studium der Geowissenschaften habe ich gelernt, dreidimensionale Modelle der Gesteinsschichten zu entwickeln. Wie bei einer Schatzkarte wird darauf sichtbar gemacht, wo und in welcher Tiefe sich der begehrte Rohstoff befinden könnte. Bevor vor Ort nach Erdgas gebohrt wird, prüfen wir genau, ob sich der Aufwand und die Investitionen lohnen. Wenn die Bohrungen erfolgreich sind, habe ich einen Beitrag zur sicheren Versorgung mit klimafreundlicher Energie geleistet. Das verleiht meiner Arbeit einen Sinn, der mich motiviert.
Wieso brauchen wir in Deutschland Erdgas aus Algerien?
Der Verbrauch von Erdgas steigt stetig, während die Ressourcen hierzulande immer knapper werden. Mit der Erschließung neuer Erdgasquellen wollen wir die Energieversorgung in Europa sicherstellen.
Du bist bei E.ON Ruhrgas Exploration & Produktion als Young Professional angestellt. Was ist das Besondere an deiner Tätigkeit?
Die Abwechslung: Als Young Professional bin ich nicht auf einen Unternehmensbereich festgelegt, sondern werde in unterschiedliche Projekte involviert. Das heißt, ich lerne nicht nur neue Inhalte und neue Länder kennen, sondern arbeite mit verschiedenen Teams zusammen. Das bleibt immer spannend!
Was war bisher dein größtes Erfolgserlebnis?
2008 hat E.ON in Nordafrika eine Explorationslizenz vom algerischen Staat erworben - dank der positiven Datenanalyse, die unser Team aus Geologen, Geophysikern und Ingenieuren erstellt hat. Unsere Ermittlungen legen den Grundstein zur möglichen Bergung des Schatzes. Wenn die anschließenden Probebohrungen erfolgreich sind, kann das Erdgas in einigen Jahren produziert werden.
Worin bestand deine Arbeit?
Als Geophysiker habe ich Hunderte von Messdaten zum geologischen Untergrund gesichtet. Mit spezieller Software entwickeln meine Kollegen und ich daraus dann komplexe dreidimensionale Modelle der Gesteinsschichten. Da steckt schon sehr viel Hightech dahinter. Aus den Modellen wird dann eine erste Grobanalyse abgeleitet: Sind die Gesteinsformen erdgashöffig? Sind geologische Strukturen vorhanden, in denen sich Erdgas sammeln kann? Die Analyse war positiv - im November dieses Jahres werden die Probebohrungen in Rhourde Yacoub beginnen. Dann wird sich herausstellen, ob unsere Prognosen richtig waren. Ich hoffe natürlich, dass wir fündig werden!
Ist Algerien das einzige Land, in dem du bisher nach Erdgasvorkommen geforscht hast?
Nein, die Exploration hat mich auch bereits nach Norwegen und Großbritannien geführt, und demnächst fliege ich sogar nach Sibirien.
Den Mai dieses Jahres habe ich auf einer Bohrinsel in der englischen Nordsee verbracht. All unsere Projekte in Norwegen und Großbritannien sind offshore, das heißt, das Erdgas wird vom Meeresgrund an die Oberfläche gefördert. Eine meiner Aufgaben bestand darin, anhand der Gesteinsbruchstücke, die bei den Bohrungen nach oben gespült wurden, die geologische Formation zu identifizieren.
Auf einer Plattform inmitten der stürmischen Nordsee - das hört sich einsam an. Wie vertreibst du dir dort abends die Zeit?
Ja, man ist schon etwas abgeschieden vom Rest der Welt. Aber der Bohrmeißel dreht sich ständig, es wird rund um die Uhr gebohrt, 24 Stunden am Tag. Somit gibt es auch immer etwas zu tun. In der Freizeit kann man seine Zeit mit den Kollegen verbringen, aber auch fernsehen oder Billard spielen. Auf der Bohrinsel gibt es auch einen Fitnessraum.
Apropos Fitness: Wie wichtig ist eine gute Kondition für deinen Job?
Auch wenn ich die meiste Zeit vor dem Computer mit der Auswertung von Daten verbringe: Eine gewisse sportliche Grundkonstitution ist von Vorteil. Allein schon deswegen, um den mehrtägigen Sicherheitskurs zu bestehen, den jeder vor dem Aufenthalt auf der Bohrinsel absolvieren muss.
Was musstest du dafür tun? Freeclimber spielen?
Nicht ganz. Aber dafür wird ein Hubschrauberabsturz simuliert. Angeschnallt in einer Hubschrauberkabine wird man unter Wasser getaucht, kopfüber gedreht und muss sich alleine befreien. Körperlich anstrengend ist auch die Brandschutzübung. Man übt aber auch noch andere Dinge, z.B. das Abseilen mit Rettungsbooten von der Bohrinsel.
Was für Charaktereigenschaften braucht ein Geophysiker - neben Mut?
Neugierde und Reiselust einerseits, andererseits aber auch viel Geduld und wissenschaftliche Genauigkeit. Die Auswertung der Daten nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, die sich hauptsächlich vor dem Computer abspielt.
Welche Tipps hast du für Berufsanfänger?
Am wichtigsten ist die Begeisterung für den Beruf. Man sollte auf jeden Fall einen Beruf wählen, der einem, wie bei mir, sehr viel Spaß macht. Neben einem erfolgreich abgeschlossenen Studium ist es wichtig, schon früh praktische Erfahrungen zu sammeln. Schon im Studium sollte man so viele Praktika wie möglich absolvieren. Und wenn die Abschlussarbeiten wie Bachelor- oder Masterarbeit einen Praxisbezug haben, ist das sicherlich auch von Vorteil. So kann man erste Arbeits- und Projekterfahrungen sammeln und stellt schon im Studium wichtige Kontakte zu erfahrenen Kollegen her.
Was ist deine persönliche Energiequelle?
Meine Frau. In ihrer Gegenwart kann ich mich am besten erholen. Wenn meine Akkus besonders leer sind, reisen wir gerne um den Globus, in fremde und ferne Länder. Neue Energie tanke ich auch beim Fußballspielen mit meinen Kollegen und beim Joggen oder Skilaufen.
Nähere Informationen und aktuelle Stellenangebote unter:
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