Gibt es einen wegweisenden Moment, der deine Leidenschaft für Energie geweckt hat?
Das habe ich meinem Vater zu verdanken. Als Monteur war er bei einer Firma tätig, die Verbrennungssysteme für kleinere Kraftwerke hergestellt hat. Manchmal hatte er am Wochenende Notdienst. Wenn samstagsmorgens um sieben das Telefon klingelte, war ich vor Freude aus dem Häuschen - im Gegensatz zu meinem Vater. Während es für ihn Arbeit bedeutete, war es für mich als Sechsjähriger ein großes Abenteuer, ihn ins Kesselhaus eines Kraftwerks begleiten zu dürfen.
Was fasziniert dich an Kernkraftwerken?
Ein Kraftwerk ist ein wahnsinnig komplexes Gebilde, das die gesamte Palette des Maschinenbaus abdeckt: vom Chemiebaukasten mit Wasseraufbereitung und Wasserlabor bis zur Energieerzeugung mit Pumpen und Motoren. Das Betriebshandbuch unseres Kernkraftwerks umfasst mehr als 30.000 Seiten. Das muss ich nicht auswendig kennen, doch ich muss zumindest wissen, wo ich nachschlagen kann, wenn ich mich über ein bestimmtes System informieren möchte. Dabei fühle ich mich manchmal wie ein Detektiv.
Um Schichtleiter zu werden, muss man nach dem Studium noch eine dreieinhalbjährige Ausbildung absolvieren. Was hat dich zu diesem langen Ausbildungsweg motiviert?
Nach der Ausbildung ist man vom ersten Arbeitstag an automatisch Chef und verantwortlich für ca. 15 Mitarbeiter. Langjähriges Hocharbeiten ohne Garantie, befördert zu werden, gibt es nicht. Hinzu kommt die einzigartige Möglichkeit, für eine gesamte Anlage mit verschiedenen komplexen Systemen verantwortlich zu sein. Üblicherweise ist man als junger Ingenieur Spezialist für ein System, z. B. für eine Turbine. Das wäre mir auf Dauer zu einseitig. Als Schichtleiter hingegen besitzt man den Überblick über alle Systeme - von der Elektro- über die Leittechnik bis zum Maschinenbau.