Überleben im All
Ein Spaziergang im All ohne Schutzanzug - das wäre ein ganz schönes Horrorszenario! In dem fast vollständigen Vakuum und ohne den gewohnten Luftdruck würde nicht nur unsere normale Atmung versagen, das Blut eines Menschen würde dazu sofort anfangen zu verdampfen! Bei direkter Sonneneinstrahlung müssten wir ungeschützt Temperaturen von mehr als 100 °C aushalten. Nachts reicht dann auch keine einfache Jacke mehr, denn im Schatten eines Himmelskörpers sinkt die Temperatur auf minus 100 °C und tiefer. Ganz schön kalt! Auch gegen die gefährlichen Strahlen von Sonne und Kosmos oder die 100.000 Stundenkilometer schnellen Mikrometeoriten schützt uns die Erdatmosphäre weitgehend. Will der Mensch im All überleben, ist er also darauf angewiesen, sich dort seine eigene Atmosphäre zu schaffen - entweder in einem geschützten Raumfahrzeug oder in einem speziellen Weltraumanzug.
Mit den heutigen Weltraumanzügen sind die Astronauten für mehrere Stunden völlig unabhängig von den Bordsystemen der Raumstation oder des Space Shuttles. Sie tragen gewissermaßen ihr eigenes Raumschiff mit sich. Alle lebenswichtigen Systeme sind im Anzug untergebracht. Er erzeugt künstlichen Druck, versorgt den Astronauten mit Sauerstoff und stößt das ausgeatmete Kohlendioxid wieder aus. Der Anzug besitzt eine eigene Temperaturregelung und schafft klare Sicht durch das Helmvisier.
Ein Raumfahrer soll sich im Anzug nicht nur wohl fühlen, sondern auch arbeiten können. Ein Weltraumanzug, wie ihn Astronauten heute bei Außenarbeiten an der Internationalen Raumstation tragen, besteht aus insgesamt 13 Schichten verschiedener Materialien wie Stoff- oder Metallgewebe. Sie halten den Anzug in Form und bieten Schutz gegen die lebensfeindlichen Außenbedingungen im All. Sein hohes Gewicht von mehr als 100 Kilogramm macht sich in der Schwerelosigkeit der Erdumlaufbahn aber glücklicherweise nicht bemerkbar.